Der Grinch
Wie der Grinch Weihnachtskekse gestohlen hat
„Diese verdammten Kekse“, murrte er vor sich hin, sein Gesicht zu einer unzufriedenen Fratze verzerrt. „Essen, knabbern, schlemmen. Immer mehr, mehr, mehr!“
Sein mürrischer Blick schweifte über das Dorf am Fuße des Berges, in den seine Höhle gegraben war. Naja, eigentlich war es nur ein Haufen Müll. Aber egal! Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel die Wörndles – also die Menschen von Wörndleville –, die zur Weihnachtszeit immer nur eines im Kopf hatten: Kekse futtern. „Verschwenderisch! Ekelerregend! Absolut verwerflich.“
Der Grinch hatte aber einen Plan. Und den sollte er in jener Nacht umsetzen …

„Denen wird das Lachen noch vergehen“, gackerte er auf seinem Weg vom Berg hinunter ins Dorf. Er war unzufrieden – dann sollten es alle anderen gefälligst auch sein! Eines nach dem anderen stieg er also durch die finsteren Fenster der Häuser, schlich sich in die Küchen und schüttete alle Weihnachtskekse, die er finden konnte – Vanillegipfelen, Damenkaprizen, Zimtsterne, Lebkuchen–, in seinen Kartoffelsack.
Unentdeckt kam er nach einer erfolgreichen Diebstahl-Nacht zurück in seine Höhle: „Mal schauen, was da so toll dran ist!“ Der Grinch biss in einen Keks und kaute geräuschvoll. „Hmm“, grübelte er und nahm noch einen Bissen. „Bätsch!“ – mit aller Wucht klatschte er das Vanillegipfele an die Höhlenwand. Mit einem zweiten, dritten und vierten Keks in der Hand lugte er aus seiner Höhle und guckte – genüsslich an den Keksen knabbernd – mit absoluter Freude dabei zu, wie die Wörndles auf der Suche nach den Keksen ihre ganzen Häuser überwarfen. „Es hat sich ausschnabuliert!“, kicherte er vor sich hin.
Ach, die Genugtuung … die hielt nicht lange an.
Denn nach ihrem anfänglichen Schock, stellte der Grinch mit Entsetzen fest, holten die Wörndles Mehl, Butter, Eier und Schokolade hervor und – „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ – backten einfach neue Kekse. „Was fällt ihnen eigentlich ein? Einfach Kekse nachbacken, die sind doch völlig übergeschna…“ Er schluckte den Rest des Wortes – da stand nämlich ein kleines Mädchen mit einem freundlichen Lächeln an der Schwelle zu seiner Höhle. „Willst du mit mir nach Wörndleville kommen? Du kannst uns beim Keksebacken helfen, wir würden uns freuen“, sagte die kleine Gästin.
Der Grinch traute seinen Ohren kaum und grunzte in Ungläubigkeit. Was Verrückteres hatte er noch nie gehört! Die hatte wohl nicht alle Tassen im Schra… „Sie sind echt mega lecker! Sie schmelzen auf der Zunge und machen glücklich – wirklich!“, das Mädchen ließ nicht locker. Sie wagte es, den Grinch an der Hand zu nehmen und versuchte, ihn aus der Höhle zu ziehen. Das klappte natürlich erst, als der Grinch nachgab. Ein kleines Mädchen konnte er schlecht umstoßen – das redete er sich zumindest ein, während er ihr widerwillig den Berg hinunter folgte.
Wobei, so widerwillig wirkte er gar nicht …
Und so kam es, dass der Grinch den ganzen Tag in Wörndleville verbrachte – hinterm Herd. Oder besser gesagt neben dem Backrohr. Er hatte nämlich den Auftrag, zu kontrollieren, dass die Kekse nicht verbrennen. Dabei verschwand das eine oder andere Weihnachtsgebäck womöglich vom Backblech … Aber zugeben, dass der Tag mit den Wörndles in Wörndleville dann doch ziemlich schön war – das konnte der Grinch natürlich auf gar keinen Fall …
Die Legende besagt, dass der Grinch an jenem Tag seine Liebe zu Weihnachtskeksen entdeckte. Und dass er den Wörndles noch heute jedes Jahr beim Keksebacken hilft. Aber das ist alles nur eine Legende und stimmt auf gar keinen Fall. Oder?

